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Adenauer reist nach Moskau
9. September 1955
Mit großem Gefolge landet Bundeskanzler Adenauer auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo. Er wird keineswegs wie der Vertreter eines Landes empfangen, zu dem man keine offiziellen Beziehungen unterhält, sondern mit vollen militärischen Ehren. Die Verhandlungen sind zunächst schwierig, noch sind die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg mit rund 20 Millionen sowjetischen Opfern frisch. Adenauer, der den Sowjets zutiefst misstraut, denkt nicht daran, die Rolle des Schuldigen anzunehmen. Einmal erzürnt er bei den Treffen mit der sowjetischen Staatsführung Regierungschef Nikita Chruschtschow damit so sehr, dass dieser aufspringt und ihm mit dem Fäusten droht.
Der Bundeskanzler steht daraufhin ebenfalls auf und hebt die Fäuste. Erschwerend wirken sich bei den Gesprächen außerdem die hochgesteckten Forderungen der deutschen Seite aus: Als Gegenleistung für die von Moskau angebotenen diplomatischen Beziehungen wollen die Westdeutschen eine Übereinkunft zur Wiedervereinigung erreichen. Dann verzichtet Adenauer endlich auf diese für die Gegenseite unannehmbare Forderung und verlangt stattdessen die Freilassung der knapp 10.000 Deutschen, die sich noch in russischer Gefangenschaft befinden. Die Sowjetführung willigt ein, einer Stabilisierung der deutsch-sowjetischen Beziehungen steht nichts mehr im Wege. Doch für die bundesdeutsche Bevölkerung ist die Freilassung der Gefangenen von weit größerer Bedeutung, sie bereitet dem heimkehrenden Adenauer einen begeisterten Empfang.
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