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Akteneinsicht für alle
1. Januar 1992
Mit dem Jahresbeginn können Ostdeutsche und auch Westdeutsche Einsicht in ihre Stasi-Akte nehmen. Ein Drittel der Bürger der neuen Bundesländer geben an, die Möglichkeit nutzen zu wollen. Entsprechend groß ist der Ansturm: Bis Ende des Jahres gehen bei der Zentrale in Berlin und den Außenstellen in den ehemaligen Bezirkshauptstädten 500.000 Anträge auf Akteneinsicht ein. Noch ist die Behörde des “Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR”, Joachim Gauck, weder personell noch materiell ausreichend ausgestattet, um die Flut der Anfragen zu bewältigen. Auch die Archive sind noch nicht bereit - 200 Kilometer Stasi-Akten konnten noch nicht erschlossen werden.
Hinzu kommt die obligatorische Überprüfung von angehenden Parlamentariern, Beamten oder Gemeindevertretern. Zahlreiche prominente Politiker wie Gregor Gysi oder Manfred Stolpe geraten in den Verdacht, Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein.
Die Akten der Staatssicherheit enthüllen das ganze Ausmaß der “Zersetzung”: Die Stasi war selbst vor “medizinischen Umerziehungen” ihrer Opfer in psychatrischen Anstalten nicht zurückgeschreckt und hatte regimekritische Bürger durch die Lancierung intimster Informationen diffamiert. Hunderttausende von Lebensläufen waren durch den allmächtigen Geheimdienst manipuliert worden.
2008 gehen bei der Behörde für die Stasi-Unterlagen noch 87.366 Anträge von Bürgern auf Akteneinsicht ein, die Gesamtzahl der Anträge steigt damit auf knapp 2,56 Millionen.
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