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Alle wollen Westwagen
2. Juli 1990
Nach 40 Jahren einheitlicher Motorisierung wollen die DDR-Bürger endlich in einen Westwagen umsteigen. Schon in der ersten Jahreshälfte – und das heißt noch vor der Währungsunion und der Ausstattung der DDR-Bürger mit D-Mark – werden 40.000 bis 100.000 Gebrauchtwagen in die DDR verkauft. Nach der Umrechnung der DDR-Mark in Westgeld am 1. Juli wächst die Nachfrage weiter an.
Ein Grund für den Boom ist der relativ niedrige Bestand an Autos in der DDR: 1989 hatten von 1000 DDR-Bürgern 235 einen PKW besessen, während in der Bundesrepublik jeder Zweite ein Auto hatte. Außerdem wollen viele Ostdeutsche endlich nicht mehr auf den Trabi angewiesen sein. Der Preis für eine gebrauchte “Rennpappe”, die einige Monate zuvor noch über den ohnehin schon horrenden Anschaffungskosten für einen Neuwagen gelegen hatte, pendelt sich bei gerade einmal 100 D-Mark ein.
Der Ansturm auf das Statussymbol Westwagen treibt die Preise immer weiter nach oben und spielt den schwarzen Schafen der Branche in die Hände – “Wenn sie rosten, ab in den Osten”, lautet das Motto. Ein weiterer Effekt des Gebrauchtwagenbooms ist eine nach oben schnellende Unfallstatistik: Viele Fahrer können ihre Freude über den frisch erworbenen PS-starken Wagen kaum zügeln, was in Verbindung mit dem miserablen Crashverhalten des Trabant zahlreiche Unfallopfer fordert.
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