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Christo verpackt den Reichstag
25. Februar 1994
Wenn surrealistische Kunst auf eine breitere Öffentlichkeit trifft, herrscht oft Unverständnis. So sorgt schon allein die Idee, dass der Reichstag verhüllt wird, für Kopfschütteln bei den Berlinern. Eine der typischsten Reaktionen bei Umfragen über die Aktion ist das Zeichen mit dem Zeigefinger an der Stirn: Die haben doch einen Vogel! Gemeint ist ein Künstlerpaar aus Frankreich: Jean Claude und Christo. Ihre Idee, durch Verhüllung auf die Dimensionen des Verhüllten aufmerksam zu machen, geht auf Kunstpraktiken im alten Griechenland zurück. Dort wurde bereits damit gearbeitet, durch Verpackung auf Größe aufmerksam zu machen und mit Verhüllung für ein besonderes Erlebnis zu sorgen.
Zu den Befürwortern der Idee Jean Claudes und Christos gehören Politiker wie Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), Willy Brandt (SPD), viele Berliner Lokalpolitiker aller Parteien und sehr viele Künstler. Allerdings sprechen sich auch viele Künster und Politiker gegen Christos Idee aus. Ein Gegner, der mit besonderer Vehemenz dagegen spricht, ist Wolfgang Schäuble. So veröffentlicht er in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” einen Beitrag unter der Schlagzeile: “An Symbole rührt man nicht”. Es nutzt ihm und den Gegnern nichts.
Am 25. Februar spricht sich der Bundestag mit 292 zu 223 Stimmen für die Verhüllung aus. Im Juni 1995 startet die Aktion, bei der 100.000 Quadratmeter speziell für die Verpackung entwickelter Stoff verwendet werden. Eine Woche später ist das Bauwerk eingepackt. Fünf Millionen Besucher vor Ort bestaunen den verpackten Reichstag, die Medien weltweit berichten begeistert. Nun tippt sich kaum noch einer der Betrachter an die Stirn, die meisten nicken anerkennend: Hier sorgte Christos und Jean Claudes Kunst dafür, dass man plötzlich das Verpackte ganz anders würdigt: den Reichstag und seine wechselvolle Geschichte.
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