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Die Pille auf dem Altar
2. Oktober 1966
Die Boulevardblätter rauschen, als “Pillen-Pfarrer” Wilhelm Reinmuth in einer Predigt zum Erntedankfest das neue Verhütungsmittel Pille als Gottesgeschenk darstellt. Die evangelische Kirchenleitung von Hessen enthebt ihn seines Amtes. Doch in Deutschland werden althergebrachte Sittennormen und Sexualbarrieren zunehmend hinterfragt. Nach den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren wird allmählich die Prüderie der Adenauer-Ära überwunden. Oswalt Kolle verfasst erfolgreiche Aufklärungsbücher. Die Zeitschrift “Twen” titelt “Kleine Pille: Lieben ohne Angst zu haben?”
15. Juni 2009 13:45
Der Erntedankgottesdienst am 2.Okt.1966 in der neugegründeten Ev. Kirchengemeinde “Nordweststadt-Mitte” fand nicht in bäuerlicher, sondern in urbaner Umgebungstatt, in Schwagenscheids (Arch.) neuem nordwetlichen Stadtteil von Ffm. Diese neue “Trabantenstadt” war mitten im Aufbau. Erstmals bekamen tausende junger Familien aus Taunus, Hunsrück, Spessart und Odenwald die Möglichkeit, den von ihnen als eng und kontrolliert empfundenen dörflichen Rahmen ihrer seitherigen Wohngemeinden zu sprengen. Sie bezogen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene neue Wohnungen in Hoch- oder Mehrfamilienhäusern in der Anonamität städtischer Lebenswelten. Wer ab jetzt in zweieinhalb, drei, dreieinhalb oder allenfalls vier Zimmer großen Wohnungen lebte, war gezwungen, absolut zuverlässig seine Kinderzahl begrenzen zu können. Die “Pille” als neues Anticonzeptivum wurde von den jungen Frauen in der neuen Stadt fast durchweg als wunderbares Geschenk – und von den christlichen Eheleuten als eine besonders segensreiche, gute Gabe Gottes gepriesen und genossen. Zusammen mit wichtigen anderen Leben ermöglichenden Mitteln aus Landwirtschaft, Industrie, Wirtschaft, Verwaltung Politik, Sozialwesen und Publizistik gehörte sie folgerichtig am Erntedankfest im Erntedankgottesdienst auf den Abendmahlstisch bzw. Altar. Daß an einem solcherart geschmückten Tisch nicht der in 500m Luftlinie Entfernung zur gleichen Zeit in der Niederurseler Kirche predigende Kirchenpräsident, sondern zusammen mit einer Gruppe von engen Mitarbeitern der in Nordwetstadt-Mitte predigende tätige Gründungs- und Ortspfarrer Wilhelm Reinmuth stand, kostete ersteren viel Ansehen in der Kirche und letzteren – übrigens widerrechetlich – das Amt.
7. Juli 2011 23:47
Wilhelm Reinmuth hat es dann nach Limburg/Lahn verschlagen, sonst hätte ich ihn nie kennengelernt. Woah, der fährt ja Gürtelreifen und repariert sein Auto selbst. Wir Schüler der Tilemannschule hatten eine wunderbare Zeit mit ihm.
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