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Knollenknappheit: Die DDR in der Kartoffelkrise

24. Juli 1962

In der DDR gibt es Frühkartoffeln nur noch auf Bezugsschein. Damit reagiert die SED-Führung auf die Knappheit der Knolle, die auf die 1960 endgültig durchgesetzte Kollektivierung zurückgeht. Zu viele Bauern sind vor der Vereinnahmung durch die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in den Westen geflohen. Zu groß sind die Umstellungsschwierigkeiten und der Verlust an Motivation in einer Landwirtschaft, deren Anbaufläche im Verhältnis zur Bevölkerung ohnehin sehr klein ist. Das Ergebnis ist eine Missernte 1961. Der Ernteertrag geht allein bei Kartoffeln von 14,8 auf 9,3 Millionen Tonnen zurück.

Dabei waren Kartoffeln schon vorher so knapp, dass sie 1958 von der Abschaffung der Rationierung ausgenommen worden. Nun brauchen die DDR-Bürger also auch für Frühkartoffeln einen Bezugsschein und außerdem noch eine Kundenkarte, die den Kauf weiterer knapper Lebensmittel wie Butter, Fleisch und Eier auf bestimmte Geschäfte beschränkt und diese Waren rationiert. Zugleich schickt Regierungschef Walter Ulbricht hohe Funktionäre aufs Land und begibt sich auch persönlich auf Inspektionsreise, um die Planerfüllung zu kontrollieren. Für weitere Entlastung an der Kartoffelfront sollen die Verbraucher sorgen. So empfiehlt eine Frauenzeitschrift Gerichte wie Milchgraupen mit Backpflaumen oder mit Gerstengrütze gefüllten Kohl.

Noch schwieriger ersetzen lassen sich Gebrauchsgüter wie Nägel oder Stoffe, die ebenfalls nicht in ausreichenden Mengen verfügbar sind. Zu schwer lasten die Demontagen, die wirtschaftliche Abtrennung Ostdeutschlands vom Westen, die Bevorzugung von oft unrentablen Großprojekten sowie die grundsätzlichen Mängel der zentralen Wirtschaftsplanung auf der DDR-Wirtschaft. Trotz bemerkenswerten Wachstums produziert diese am Konsumenten vorbei. Zugleich fehlt es an Ausfuhrprodukten, für die man im Gegenzug genügend Lebensmittel aus dem Westen einführen könnte. Die „Kartoffelkrise“ fällt zum Missfallen der DDR-Führung just in den Zeitraum, für den Ulbricht vier Jahre zuvor einen höheren Lebensstandard als in der Bundesrepublik angekündigt hatte.

Mehr zum „System Ulbricht“ bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

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