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Viagra – Sex dank Schluckimpfung
27. März 1998
Einige Mediziner verweigern dem seit Frühjahr 1998 erhältlichen Mittel “Viagra” die Bezeichnung “Medikament”. Denn seine Wirkung besteht nach ihrer Meinung nicht in der Heilung oder Linderung eines Leidens, sondern in der Verbesserung einer Funktion: der männlichen Potenz. So jedenfalls sehen es die Kritiker.
“Sex auf Rezept”, “Erektion auf Bestellung”, “Pille für die Lendenkraft” lauten auch die ersten Schlagzeilen in Blättern, die über das neue Mittel berichteten. Sildenafil, wie der Viagra-Wirkstoff heißt, war vom Pharmakonzerns Pfizer entwickelt worden – offiziell, um Bluthochdruck zu senken. Die Wirkung hier sei bei Tests gering aber gewesen, erklärt Pfizer. Daher habe man sich auf die Nebenwirkungen konzentriert: die Steigerung der männlichen Potenz.
Doch schon sehr bald nach der Einführung ändert sich die Berichterstattung um Viagra. Die Pille bewirkt nun, dass die Sexualität von Paaren sowie Sexualität im Alter neu diskutiert wird. Psychologen und Therapeuten sorgen dafür, dass die Wirkung von Viagra nicht auf die Potenz als sportlichem Aspekt reduziert wird, sondern dass nun auch über die Versagensängste der Männer gesprochen wird. Die Reporterin der “Berliner Zeitung”, Regine Sylvester, schreibt: “Wir reden über ein großes männliches Geheimnis. Über ihre Urangst.” Und sie zitiert einen Urologen: „Nirgendwo wird so viel gelogen wie bei den Themen Sex und Erektion.”
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