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Wiederbewaffnung spaltet westdeutsche Gesellschaft
29. Januar 1955
Wiederbewaffnungsgegner in der Bundesrepublik gehen auf die Straße, denn das Land soll wieder eine Armee bekommen. Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte schon seit 1949 immer wieder auf eine Bedrohung aus dem Osten verwiesen. Das Schicksal Koreas, wo der Süden vom kommunistischen Norden angegriffen worden war, führte er als Beweis für die Gefährdung Westdeutschlands an. Noch wichtiger ist für Adenauer, dass die Wiederbewaffnung die Bundesrepublik zu einem echten Partner des Westens aufwerten und so den Handlungsspielraum Bonns vergrößern würde.
Die SPD-Opposition unter ihrem Fraktionsvorsitzenden Kurt Schumacher gab jedoch der Wiedervereinigung den Vorrang vor der Westintegration und strebte ein Ost und West umfassendes “kollektives Sicherheitssystem” an. Außerdem gab es eine breite Bewegung gegen die Wiederbewaffnung quer durch fast alle Parteien, die Gewerkschaften, die Kirchen, die Presse und Vereine, deren Führungsfigur Gustav Heinemann wurde. Dieser warnte vor einer Einschränkung der sozialen Gestaltungsmöglichkeiten durch die Rüstungskosten und vor einem weiteren großen Krieg auf deutschem Boden. Nicht weniger als drei Viertel der Bevölkerung waren vorübergehend gegen Deutsche in Uniform. Letztlich bestätigen die Wähler jedoch 1953 Adenauers Konzept. Zu eindeutig erschien der Machtanspruch der Sowjetunion, der eine schnelle Wiedervereinigung zu einem Risiko machte.
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